Hallo Studis
Die LINKE Hochschulgruppe Freiberg wurde gegründet.
Menschen, die bereits seit längerem in Gremien der Hochschule und Studierendenschaft arbeiten, vereinigen sich nun unter dem Dach eines hochschulpolitischen Bündnisses. Das LINKE Hochschulbündnis strebt enge Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften an. Es steht Parteien wie der Linken nahe, ist jedoch von ihnen unabhängig.
Ich bin Torben Chr. Münch und bin seit 2007 Mitglied des Studentenrates. Dort leite ich das Referat Hochschulpolitik. In meiner Zeit als StudentInnenvertreter habe ich mich oft für die Belange aller Studierenden eingesetzt.
Hier möchte ich gerne im Namen der Gruppe versuchen darzulegen worum es uns geht.
Leider nehme ich an der Hochschule sowie in Studentischen Gremien eine immer stärkere Tendenz zum Neoliberalismus war. Wenn es heißt: "Wettbewerb zwischen Studierenden sei gut, denn er würde alle positiv antreiben" oder "Studierende müssten ihren (finanziellen) Beitrag leisten, um ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt zu steigern", dann bereitet mir das Schmerzen.
Bildung als Wettbewerb, bei dem der finanziell stärkere gewinnt und nicht der bessere, kann weder im Interesse der StudentInnen noch der Gesellschaft sein.
Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung.
Dafür möchten wir uns in Zukunft noch stärker einsetzen. Die Forderungen der hochschulpolitischen Linken nach freier und vollständig kostenfreier Bildung sowie einer elternunabhängigen Grundsicherung für Studierende, aber auch die Abschaffung von Zugangsbeschränkungen, müssen mehr in den Fokus studentischen Handelns rücken.
Die angebliche hochschulpolitische Neutralität der studentischen Gremien ist hier mehr als hinderlich. Denn jedeR, der sich zu Hochschulpolitik äußert, bezieht eine Position, ob er nun will oder nicht. Viele VertreterInnen in den Gremien verstecken sich hinter der Neutralität und begründen so ihre Untätigkeit. Die hochschulpolitische Positionierung und politische Aufklärung wird jedoch selbst im Hochschulgesetz gefordert. Wir setzen uns für eine Positionierung ein, um endlich mit dem Neutralgeschwätze der bisherigen StudentInnenvertretung auf zu räumen.
Wir bekennen uns zur Hochschulpolitischen Linken. Das Ziel ist Bildung allen möglich zu machen und die finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern zu gewährleisten. Ebenso muss sich die studentische Vertretung endlich mit den MitarbeiterInnen in ihren prekären Arbeitsbedingungen solidarisieren.
Hierfür gründe wir das LINKE Hochschulbündnis in Freiberg. Es soll ein Bündnis von Studierenden, aber auch von allen anderen Mitgliedergruppen sein. Wir werden in allen Gremien der Hochschule versuchen die Forderungen nach besserer und kostenfreier Bildung zu vertreten und umzusetzen. Unsere Forderungen richten sich in erster Linie gegen Bildung als Wettbewerb.
JedeR braucht unterschiedlich lange für den Erwerb von Wissen. Ebenso hat jedeR andere Interessen. Man kann den Erwerb von Wissen und das Erlernen von Fähigkeiten nicht vergleichen. So lässt sich auch kein Marktwert für Bildung festlegen. JedeR braucht die Möglichkeit in ausreichender Zeit jene Fähigkeiten zu erwerben, die er für wichtig erachtet. Ebenso kann besonders von StudentInnen aus ärmeren Elternhäusern keine „Investition“ in das Studium erwartet werden. Bildung ist ein Menschenrecht und muss kostenfrei bleiben. Bildungskredite sind abzulehnen. Die Verschuldung für das zukünftige Leben schreckt potentielle AkademikerInnen ab und dient lediglich zur Finanzierung der Banken.
Daher fordern wir variable Studienablaufpläne ohne Zwischenhürden und die Abschaffung jeglicher Bildungskosten für Studierende.
Auch müssen die Bildungshürden (Zwischenprüfungen, Aufnahmeprüfungen...)fallen. Der geringe AkademikerInnenanteil in einem Jahrgang muss erhöht werden. Dies kann nur durch die Abschaffung sämtlicher Zugangsbeschränkungen für Bachelor- und Masterstudiengänge geschehen.
Daher fordern wir freien Zugang zur Hochschulbildung und Schaffung von ausreichend Studienplätzen.
Deutschland investiert zu wenig in die Bildung. Gerade 3,5% des Bruttoinlandsproduktes wird in Bildung finanziert. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf einem der letzten Plätze. Folge ist die Umlagerung vieler Gebühren auf die Studierenden und prekäre Arbeitsverhältnisse für Hochschulangestellte. Auch sind Hochschulen immer mehr auf die Finanzierung durch Drittmittel angewiesen. Bei so hoher Finanzgewalt der Wirtschaft kann keine unabhängige Forschung und Lehre gewährleistet werden. Die Wirtschaft wird bald darüber entscheiden können was geforscht wird, was gelehrt wird und wer lernen darf.
Daher fordern wir die Ausfinanzierung des Bildungssektors mit mindestens 15% des BIP.
So kann auch die Freiheit und Einheit von Forschung und Lehre garantiert werden. Das Betreuungsverhältnis muss sich so ebenfalls deutlich verbessern. Zuwenig Lehrende auf zu viele Studierende schaffen kein produktives Lernklima. Lehrende nehmen Unmengen an Mehrarbeit auf sich und zermahlen sich an der Arbeit, oder vernachlässigen die Lehre, zu Gunsten der profitableren Forschung. Um eine gute Lehre mit den derzeitigen Studierendenzahlen sicher stellen zu können, braucht es dringend neue Kräfte.
Daher fordern wir mindestens die Verdopplung des Lehrpersonals, sowie volle und unbefristete Stellen.
Das LINKE-Hochschulbündnis solidarisiert sich mit dem Bildungsstreik und versucht bestmögliche Mitarbeit im Bildungsbündnis Freiberg. Es wird mit Gewerkschaften um bessere Beschäftigungsverhältnisse für MitarbeiterInnen und studentische Beschäftigte, aber auch PraktikantInnen, kämpfen. Die Vertretung an der Hochschule muss ebenfalls gestärkt werden. Die Studierendenschaft unterliegt immer noch der Rechtsaufsicht der Universität, sowie der Finanzaufsicht der Innenrevision. Außerdem ist es der Studierendenschaft nur gestattet sich zu hochschulpolitischen Themen zu äußern. Will man allerdings über Hochschulfinanzierung, BaföG oder soziale Belange von Studierenden und deren Eltern reden, kann man sich nicht nur auf den Mikrokosmos Hochschule beziehen. Um gerade bei diesen Themen einen Zusammenhang zur Politik möglich zu machen, benötigt die Studierendenvertretung ein allgemeinpolitisches Mandat! Dieses gibt StudentInnenvertretern die Möglichkeit sich auch zu allgemeinpolitischen Themen zu äußern und dort die Belange der Studierenden zu vertreten.
Nun da ihr einen kleinen Überblick über meine und unsere zukünftige Arbeit habt, möchte ich euch bitten euch zu beteiligen. Die hoch gesteckten Ziele sind nicht von Wenigen zu erreichen. Beteiligt euch an der Arbeit in den Gremien, auf Demonstrationen oder durch euer Kreuz bei den Gremienwahlen. Dafür Danke ich euch.
Torben Chr. Münch
Sprecher der LINKEN Hochschulgruppe Freiberg